Gute Karten für Spielefans! Seit Dienstagmorgen ist das Altenburger Schloss um 18 000 Gesellschaftsspiele reicher. Per ausgewachsenem Sattelschlepper erreichte der erste Schwung aus der umfangreichen Sammlung des Ehepaars De Cassan aus Österreich die Skatstadt. Elf Tonnen in 192 Kisten, die einzeln in den „Bauch“ des Schlosses verfrachtet werden mussten…

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13 Stufen hinab, immer geradeaus, eine weitere Treppe runter, links rum, rechts rum und wieder links – der Weg in den künftigen Spielefundus im Keller des Altenburger Residenzschlosses ist viel länger, als der Blick hinab vermuten lässt. Zu weit, um „mal eben“ jene Kisten einzulagern, die der Gabelstapler am Dienstagvormittag palettenweise auf dem Schlosshof ablädt. 192 Stück, die zusammen schlanke elf Tonnen auf die Waage bringen.

18 000 Mal Spielspaß

Ihr Inhalt jedoch zaubert den gut 20 Helfern ein Lächeln ins Gesicht. Allesamt sind sie Spieler, Gesellschaftsspieler und mehr als begeistert, dass Altenburg nun um 18 000 Spiele aus sieben plus x Jahrzehnten reicher ist.

Und das ist erst der Anfang, wie Jens Junge sichtlich stolz erzählt: „Ein wunderbarer Auftakt, der hier stattfindet. Ein Startpunkt für eine neue Stadtentwicklungsgeschichte für Altenburg.“ #spielewelt Von Berlin ist der Professor der Ludologie, sprich der Spielewissenschaften, extra nach Leopoldsdorf bei Wien gereist, um der Verladung der kostbaren Fracht beizuwohnen und sie höchstpersönlich auf der Fahrt zu begleiten. Wichtigster Spieler der Partie: Sattelschlepperfahrer Armin. „Gestern morgen um sechs haben wir angefangen aufzuladen. Um zehn ging’s los und insgesamt 20 Stunden unterwegs, wegen der Ruhezeiten zwischendrin“, fasst der Herr aus der Steiermark die lange Reise mit dem randvollen XXL-Gefährt zusammen. „Er hat das so toll gemacht. Mehr Spiele hätten nicht drauf gepasst“, betont Jens Junge.

Viel weiß und jede Menge Improvisation

Ein bisschen Spaß muss sein, Foto: Maike Steuer

Ein bisschen Spaß muss sein, Foto: Maike Steuer

Weit unter Kopfsteinpflasterlevel wuselt es in drei frisch geweißten und erleuchteten Magazinräumen. Die Luftentfeuchter geben ihr bestes, um nah dran an unter 50 Prozent zu bleiben, weil Spiele das am besten finden. Swusch saust wieder eine der großen Kisten die selbst-gebauten Spanplattenrutschen hinab – direkt vor die Füße von Julia und Nicole. Beherzt schieben die Freundinnen die 50-Kilo-Box weiter und kommen trotz der Kühle unter Tage gut ins schwitzen. „Eine mega tolle Aktion“, schwärmt Fotografin Julia. „Das Spielen hat einen Platz in meinem und in den Herzen meiner Familie und solche Aktionen machen es für andere sichtbarer.“ Auch Hendrik und Freundin Ulrike sind begeistert: „Das ist mal was komplett anderes und man kommt raus aus seinem Alltagstrott“, merkt der Videograph an. Kurzes Päuschen und weiter im Text. Das „kostenlose Workout“ wartet!

Auf dem Weg zum öffentlichen Archiv

Auch wenn die Spiele nun angekommen sind, bis die 18 000 als Fundus für Ausstellungen bzw. Lehr- und Forschungsprojekte tatsächlich genutzt werden können, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Immerhin gilt es jedes einzelne der Brett- und Gesellschaftsspiele in einer Datenbank zu erfassen, zu fotografieren und mit den wichtigsten Eckdaten zu versehen, bevor es seinen Platz im Regal findet. „Das Beste ist ja, die Sammlung wächst immer weiter, weil die Verlage ihre Neuheiten künftig direkt hierher schicken“, freut sich Sarah-Ann Orymek und hat bereits das ein oder andere „Schmuckstück“ in den Einkaufstüten entdeckt.

Moment, welche Einkaufstüten? „Nach dem Tod von Herrn De Cassan wurde seine Sammlung eingelagert, aber die Spieleschar wuchs trotzdem weiter – zu Hause bei Frau De Cassan, nun verpackt in zahlreichen Tragetaschen“, erklärt Sarah-Ann.

Zwei weitere Male wird sich das „Pakete-Tetris“ noch wiederholen. Immerhin warten bei Wien noch grob 30 000 Spiele darauf, Ost-Thüringer zu werden. Aber daran verschwendet die Helferschar um 14:04 Uhr erstmal keinen Gedanken, als die letzte Kiste erfolgreich im Bauch des Schlosses verstaut ist, sondern geht nahtlos zum gemütlichen Picknick mit belegten Brötchen mitten auf dem Schlosshof über.

Das "schwerste" Paket zum Schluss, Foto: Maike Steuer