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Akina – der blaue Husky aus Nord

Social Media brachte mich auf die Spur von „Akina“. Etwa 1,70 m groß, flauschig, blau – und ja was eigentlich? Eine Katze? Ein Hund? Aufgerüscht in Korsett und weitem Reifrock sah ich ein Foto von er / sie / es, wie es an Halloween durch den Schlosspark lief und wollte mehr wissen zum Menschen im Kostüm. In Altenburg Nord wurde ich fündig.

Verwaist liegt der Nordplatz dar an diesem frühen Nachmittag. Eiskalt pustet der Wind den bunten Bommelvorhang durch. Die Mütze noch ein bisschen tiefer ins Gesicht gezogen, Hände tief in den Taschen vergraben und wart… Da taucht sie auf! Leicht schluffiger Gang auf schwarzen Tatzen, den Blick starr nach vorne gerichtet. Statt Korsett und Rock hat sie eine hellgrüne Trainingsjacke über’s blaue Fell geworfen. Die signalorange Haartolle sitzt. Vor mir steht „Akina“. „Hallo!“, klingt es dumpf aus dem wuchtigen Kopf. Weil kalt, vertagen wir das quatschen auf später irgendwo drinnen und machen erstmal ein paar Fotos. Kaum am Werk, werden wir von zwei Jugendlichen unterbrochen, die bis eben noch mit ihrer BMX-Gang in der Nähe abhingen. Statt dummer Kommentare soll ich sie verewigen: „Können Sie ein Foto von uns mit dem Fuchs machen?“ Ähm, klar, ich bin verblüfft. Damit hatte ich nicht gerechnet – Beatrice schon.

Auf der Buchmesse entdeckt

„Die Altenburger sind echt offen für Cosplay“, erzählt sie mir wenig später bei einem Kaffee im Warmen. „In Gera war das ganz anders. Da kamen nur dumme Sprüche.“ Vier Jahre ist es her, dass der 27-Jährigen auf der Leipziger Buchmesse das erste Mal schillernde Wesen in krass, cool, kuriosen Kostümen über den Weg liefen. „Costume play“ oder kurz „Cosplay“ nennt man diese Vorliebe für live und in Farbe in andere Rollen schlüpfen. Ein Trend aus Japan, der bei Beatrice sofort den Wunsch weckte: Das will ich auch!

Ein Husky und blau soll es sein

Zurück in den heimischen vier Wänden in Nord begann die gelernte Floristin sich schlau zu machen, las sich Techniken an, skizzierte erste Ideen und hauchte ihrem eigenen Charakter Leben ein. „Ich liebe Huskys und die Farbe blau. Da war schnell klar, was und wie es werden soll“, verrät sie. Geübt an der Nähmaschine und mit viel Fantasie erschuf sie in fünf Monaten „Akina“. Der Kopf? Geformt aus Laubschutzprofil. Der Körper? Maßgeschneidert aus Kunstfell. Die Tatzen in „waschmaschinenfreundlichem“ schwarz.

35 Euro der Fellmeter

Zufrieden war sie mit dem Ergebnis jedoch nicht. „Das, was du eben gesehen hast, ist Akina 2.0“, betont die Altenburgerin. Mit einem viel filigraneren Rohling als Kopfbasis, den sie mit viel Liebe zum Detail bemal hat und Körperbehaarung, die ordentlich ins Geld geht. „Der Meter Fell kostet 35 Euro und wird extra in den USA bestellt“, schwärmt die Cosplayerin. Viel Geld – zu viel für Beatrice, die aufgrund schwerwiegender, gesundheitlicher Probleme gerade nicht arbeiten und nur kleine Brötchen backen kann. „Deswegen hatte ich eben auch die grüne Jacke an. Weil der Hauptteil vom Fursuit also dem Fellanzug noch fehlt.“

Als „Akina“ dreht sie auf

In die Rolle der „Akina“ zu schlüpfen, empfindet Beatrice als „Auszeit vom Alltag“. Sie sei eigentlich eher ruhiger und zurückhaltend, aber als „Akina“ könne sie ein bisschen aufdrehen. „Es sieht ja keiner, was ich unter der Maske mache“, merkt sie grinsend an. Unterwegs in der Stadt genießt sie die Aufmerksamkeit der Leute und posiert bereitwillig für Fotos – bald vielleicht auch als Löwin, ihrem nächsten Projekt. „Wär schön, wenn die Cosplay-Szene in Altenburg noch wachsen würde“, wünscht sie sich. Dann könnte man gemeinsam losziehen. Im dann hoffentlich vollständigen „Fursuit“, in der ‚Haut‘ von „Akina“.

2 Kommentare

  1. Wäre schön mal eine Anlaufstelle zu haben wo man sich sowas nähen lassen kann , ich selber bin zu blöd dazu aber interessiere mich seit Jahren für so ein cosplay

  2. Ja so ist Sie nun mal die „Akina“ . Ich finde es sehr gut von meiner „Nichte“ das Sie sich damit beschäftigt und dafür sehr begeistert. Auch wenn nicht immer alles was benötigt wird zur Hand ist. Viel Spaß weiterhin wünsche ich Ihr.

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