Was ist der Sinn meines Lebens? Diese Frage bereitet nicht wenigen Menschen Kopfzerbrechen – und dem erwachsenden Moritz Allersmeier schlaflose Nächte. Wie er seinen Platz im Leben Gott sei Dank fand. 

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (Matthäus 7 : 7)

Treffender, als mit diesem Bibelzitat, lässt sich das Leben des Moritz Allersmeier kaum zusammenfassen. Denn der inzwischen 38-Jährige war lange Zeit ein Getriebener. Unzufrieden mit sich und der Welt, mit dem Abitur in der Tasche, aber ohne wirkliche Pläne für das „Danach“, tanzten des Nachts die Fragen in seinem Kopf: „Was kommt jetzt und was bleibt von mir, wenn ich irgendwann gehen muss? Ich bin kein Zufallsprodukt, das habe ich immer gespürt, aber warum lauf ich auf diesem Planeten rum, das wollt ich schon mit 18, 19 wissen“, fasst er seine Sinnsuche zusammen.

Leere in Kopf und Herz

Busfahrer oder Arzt zu werden, wie es Klein Moritz einst seinem Poesiealbum anvertraute? Keine Option. Er ließ sich zum Fremdsprachenkorrespondenten für Englisch und Spanisch ausbilden, „weil es sich zufällig ergab.“ Arbeitete sich „nebenbei“ von der aushelfenden Kassenkraft eines sehr großen Supermarkts in Berlin hoch zu „dem, der die Verantwortung darüber hat, 40 Kassen abzurechnen.“ Keine Spur von Langeweile und doch so viel Leere in Kopf und Herz, wie er sich rückblickend erinnert.

Ein besonderer Draht zu Gott

Und dann war da noch sein „Hang zum kirchlichen Leben“ von Kindheit an. „Ich bin da mit acht, neun Jahren alleine hin in den Kindergottesdienst, weil ich merkte, da ist irgendwas, was ich nicht greifen kann. Bis heute kann ich Gott ja nicht anfassen, aber da war was, was mich ansprach.“ Mit zunehmendem Alter wuchs auch sein Engagement in „seiner“ evangelischen Gemeinde in Braunschweig. „Ich hab die Glocken geläutet, die Kirche geputzt, Orgel und Klavier spielen gelernt und immer das Verlangen gehabt, nicht oberflächlich mit Menschen zu reden“, erinnert er sich.

Seine Altersgenossen konnten wenig mit seiner Interpretation von „Freizeit“ anfangen und quittierten sein anders sein mit „Klassenkeile“. „Die Anderen haben sich freitags besoffen, auch schon in den frühen Teenagerjahren und haben ihre SEGA-Spiele und Gameboy nächtelang durchgezockt, aber das hat mich nicht interessiert. Vielleicht bin ich ein Exot, kann ja sein“, so Moritz rückblickend. Irgendwie habe Gott ihn von Anfang an gezogen, versucht er etwas in Worte zu fassen, was er selbst lange Zeit nicht (be)greifen konnte.

Auf der Such nach DER Kirche

Trotz der vielen Stunden zu Besuch im Hause Gottes fühlte er sich nicht wirklich angekommen, denn ein entscheidender Aspekt fehlte ihm an dieser Weise zu glauben: Die Lebendigkeit! „Jede Messe hatte ihren festen Ablauf, irgendwann wusste ich, wann ich aufstehen muss und so weiter, aber es berührte mich nicht tiefer“, versucht er seine Gefühle zu erklären. Er „testete“ die katholische, die lutherische und die Pfingstkirche, auf der Suche nach der Variante, wo er mit dem Herzen andocken könnte – und fand sie schließlich im amerikanischen Fernsehen, wie er noch immer mit Verwunderung in der Stimme erzählt.

Mini-Podcast mit Pastor Moritz

Wie ein US-Fernsehprediger seinen Weg beeinflusste.

Moritz über den Wendepunkt seines Lebens

Moritz Allersmeier, Foto: Maike Steuer

Mit dem US-Prediger als Vorbild und nach diesem „besonderen Erlebnis“, diesem Zwiegespräch mit Gott und der wohl überlegten Entscheidung für ein Leben mit ihm, habe sich eine unfassbare Ruhe, ein innerer Frieden in ihm breit gemacht.

Ein bewusstes „Ja“ zu Gott

Der Start in sein neues Leben mit 24 Jahren war für ihn mit einer bewussten Entscheidung zur Taufe verbunden und seinem selbstbestimmten „Ja“ zu Gott. „Das war der schönste Tag meines Lebens! Ich wusste, ich bin angekommen. Mein Sinn ist es, Gott zu suchen, zu finden und mit ihm zu leben“, schwärmt Moritz und betont: „Mich hat keiner Gehirn gewaschen. Ich hatte nur die Wahl, lass ich es zu oder nicht. Das ist die Basis.“

Einmal unterwegs auf diesem für ihn sich so „richtig“ anfühlenden Pfad als Teil der evangelisch-freikirchlichen Baptisten drängte sich ihm das Studium der Theologie trotzdem nicht auf. Vielmehr schlich sie sich ähnlich sanft wie sein Bekenntnis zu Gott in sein neues Leben. „Lange waren Pastoren für mich sehr weltfremde Menschen. Aber nun, mit dieser neuen Sichtweise auf die Dinge, merkte ich, da ist mehr.“ Da sei eine Faszination gewesen, die bis heute anhalte.

Braunschweig – Gießen – Berlin – Altenburg

Einem Probepraktikum schloss sich ein Bachelorstudium gefolgt vom Master an, führte ihn seine Reise nach Gießen und Berlin – und schließlich als „echter“ Pastor zurück ins Taufwasser mit seinen ersten Täuflingen. „Als ich da so stand, wusste ich, dieser lange Weg hat sich gelohnt! Ich hatte meine Berufung gefunden“, sinniert er, während Gänsehaut die Arme elektrisiert. Erst recht, weil ihn die Liebe zu Gott auch zu Michaela, der Liebe seines Lebens führte. „Jede tolle Gemeinde hat einen Türdienst, der die Ankommenden begrüßt. Dabei haben wir uns kennengelernt.“ So begrüßten sie zusammen andere, dann sich selbst und sind inzwischen stolze Eltern eines niedlichen, kleinen Mädchens – die Ende 2016 zusammen nach Altenburg übersiedelten, wohin Moritz als Pastor berufen wurde.

Ein wohlüberlegter Schritt von 3,5 Millionen Einwohner auf 30 000, weg aus der Hauptstadt in den Osten Thüringens, mit einem Rezept gegen möglichen „Großstadtkoller“, wie er schmunzelnd erzählt. „Wir sind damals in die Nähe vom Bahnhof gezogen. Weil ich von der S-Bahn-Verbindung nach Leipzig gelesen hatte und mir dachte, wenn ich mal Großstadt brauch, fahr ich einfach nach Leipzig.“ Doch diesen Joker zog er nie, denn von Anfang an gab es mehr als genug für ihn in der Gemeinde zu tun.

Einladen, den Sinn des Lebens zu finden

So sehr er das Miteinander mit den 130 Gemeindemitgliedern schätzt und genießt, so nahe gehen ihm Sekten-Vergleiche von außen. „Obwohl die Leute generell sehr offen sind, wir der „Du hast einen an der Klatsche“-Stempel ziemlich schnell verteilt und die Klappe fällt beim Thema Glauben sehr schnell.“ Er könne niemanden bekehren, betont der Geistliche, wohl aber einladen und Weichen dahin stellen, dass andere den Sinn ihres Lebens finden. Worin der bei jedem Einzelnen läge, das gelte es rauszufinden. „Es geht nicht darum zu sagen: Irgendwie ist die Kirche komisch, sondern darum, eine persönliche Beziehung zu Gott herzustellen.

Man merkt in jedem seiner Worte, wie glücklich es ihn macht, das verbindende Glied zwischen Gott und der Welt zu sein. „Dass Gott meint, ich soll das tun. Da denke ich mir manchmal schon, hast du dir das gut überlegt, aber bis jetzt hat er mich nicht abgezogen.“