Seit über 30 Jahren zählt Christine Kramke mit ihrem Schuhgeschäft „Walkers Naturschuhe und Taschen“ zum Altenburger Stadtbild. Ende des Jahres könnte dieses Kapitel für immer geschlossen werden, denn die Unternehmerin hört auf. Ihr großer Wunsch: Einen Nachfolger oder Nachfolgerin für ihr „Baby“ finden.
„Der sitzt gut“, befindet Christine Kramke und müsste der 7-jährigen Lene nicht mal dabei zuschauen, wie sie durch das Schuhgeschäft hüpft. Weil die Expertin hört, dass der hübsche Halbschuh in satt dunklem Türkis mit silbernem Muster zur neuen Trägerin passt. „Sonst würde das so pam, pam, pam, machen,“ schiebt sie mit einem Lächeln nach und man kann nicht anders als nicken.
Aufhören ohne das Licht auszumachen
Über 30 Jahre „zu Fuß“ haben ihr Gehör gleich dem eines Musikers geschärft und Christine Kramke zu einer Fachfrau für bequemes, hochwertiges Schuhwerk gemacht. Eröffnet am 12. Juli 1995, gehört ihr kleines Fachgeschäft in der Johannisstraße / Ecke Weibermarkt zu den Dinos unter den Altenburger Einzelhändlern und ist – ähnlich wie die Urzeitriesen – akut vom Aussterben bedroht. „Ende Dezember höre ich auf“, bestätigt die Unternehmerin. Seit letztem Jahr steht alterstechnisch die Sieben vorne. Der Wunsch nach mehr Gelassenheit und Zeit für „Haus, Hof und Hobbys“ bestärkte sie in ihrem Entschluss. Doch eigentlich möchte sie nicht wirklich aufhören, sondern vielmehr Platz machen. Den Weg bereiten für einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin, die so motiviert und neugierig in ihre Fußstapfen treten möchte, wie Christine Kramke nach der Wende losmarschierte.

Vom Taschenfan zur Schuhverkäuferin
Dabei wollte die gelernte MTA damals eigentlich nur eins: Taschen verkaufen! Ein „Mama, du kannst jetzt alles machen, was du willst“, ihres Sohnes befeuerte Christines Tatendrang und ihren Wunsch nach Selbständigkeit. Ohne wirklichen Plan und noch weniger Ahnung stieß sie auf der Suche nach der passenden Geschäftsidee zufällig auf das Franchiseunternehmen „Walkers Naturschuhe und Taschen“. „Ich habe nur Taschen gelesen und die Sache war entschieden“, erinnert sich Christine lachend.

Die Quereinsteigerin fuchste sich in die Materie ein, fand „ihren“ Laden, stellte ihr erstes Sortiment zusammen unter der Prämisse: „Vom Bequemsten das Schönste“. Zwischen Ballerinas und Sneakern, klassischen Halbschuhen und Minischühchen für die Jüngsten nahmen die Taschen schnell eine Nebenrolle ein. Und aus dem Glied einer Franchisekette wurde 1997 ein eigenständiger Schuhladen, bei dem nur noch der Name an die aufregende Anfangszeit erinnert. Ihr Konzept ging auf, obwohl oder gerade weil sie sich und ihrer Überzeugung immer treu blieb. Statt auf unter fragwürdigen Umständen produzierte Massenware setzte sie auf Qualität, fair produzierte und schadstofffreie Schuhe aus europäischen Ländern.
Was in Altenburg geht (flach, bequem, ohne Nähte) und was nicht, welche Farben grad im Trend liegen (in diesem Winter macht man mit „Brombeer“ alles richtig) oder wie man seine Schuhe am besten imprägniert, Christine weiß es und noch so viel mehr. Wobei das Fachwissen gar nicht der entscheidende Punkt sei, der einen guten Nachfolger ausmache, betont die Unternehmerin, denn das könne man sich schließlich anlesen. Vielmehr sei ein bestimmter Charakterzug entscheidend: Empathie. „Die Beratung, die Gespräche mit meiner Kundschaft sind das A und O.“ Dieses natürliche Interesse für seine Mitmenschen, die einem oft auch Persönliches anvertrauten, das könne man nicht lernen.
Unterstützung beim Neuanfang
Während sich die Regale mit jeder weiteren Woche zusehends lichten und der Ausverkauf läuft, hofft Christine nach wie vor auf ein kleines Wunder bzw. jemand Mutiges, der sich ein selbständiges Leben in einer Kleinstadt vorstellen kann. „Bislang war die Resonanz gleich null, wobei ich ihr oder ihm sehr gerne Schützenhilfe geben und beim Neuanfang helfen würde. Manche Fehler kann man sich einfach sparen“, so Christine schmunzelnd.

„Ich habe viel Glück gehabt und verspüre einfach nur Freude und Dankbarkeit für die vergangenen 31 Jahre“, sinniert die Schuhexpertin. Vor allem an den jüngsten Kunden hänge ihr ganzes Herz, merkt sie wehmütig an. „Ich habe wahnsinnig viel Stammkundschaft, die inzwischen mit ihren eigenen Kindern oder sogar Enkeln zu mir kommen. Das macht es mir so schwer, aufzuhören.“
Dem traurigen Gedanken, dass es für ihr „Baby“ bald vorbei sein könnte, setzt die Schuhhändlerin schöne Anekdoten aus über drei Jahrzehnten Selbständigkeit entgegen. Wobei das Nähkästchen, aus dem sie plaudert, eher die Ausmaße einer ausgewachsenen Schatztruhe haben dürfte. Eine ihrer Liebsten: „Ein Kunde steht an der Kasse und sagt: ‚Können Sie die noch runtersetzen?‘ Da hab ich den Schuhkarton genommen, auf den Boden gestellt und das Eis war gebrochen.“

Infos für Interessierte:
Ein eigener Schuhladen für hochwertige Naturschuhe wär genau dein Ding? Dann ruf Christine Kramke an unter 03447 / 55 15 66 (Handynummer auf Anfrage) oder besuch sie nach Absprache in ihrem kleinen Reich. Vielleicht wird ja ein Schuh draus?
